Montafoner Steinschaf

Das Montafonerschaf ist eine vom aussterben bedrohte Schafrasse und kam nur noch vereinzelt im hintersten Montafon vor. Es wurde durch größere und mastfähigere Rassen verdrängt. Ab 1989 wurden typische Tiere angekauft und ein Zuchtbuch zur Vermeidung von Inzucht gegründet. Seither wird die Rasse in ganz Vorarlberg gezüchtet.



Zuchtgeschichte

Das Montafoner Steinschaf gilt als eigenständige Rasse des Montafons, die eine sehr große genetische Distanz zu allen anderen Steinschafrassen aufweist. Die Rasse gilt als hochgefährdet und ist vom Aussterben bedroht. Bis vor wenigen Jahrzehnten gab es nur noch vereinzelt solche Tiere im hintersten Montafon. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die landwirtschaftliche Produktion auch im Montafon immer mehr auf Rinder- und Schweinefleisch umgestellt, und das Steinschaf wurde durch größere und mastfähigere Rassen verdrängt. Ab 1989 wurden typische Tiere angekauft und ein Zuchtbuch zur Vermeidung von Inzucht gegründet. Schon aus kulturgeschichtlichen Gründen wäre daher ein endgültiges Aussterben dieser Rasse ein großer Verlust.

 

Zuchtziel

Erhaltung des ursprünglichen Typs. Ein kleines, futterdankbares, robustes Schaf mit guter Fruchtbarkeit und leichten Ablammungen. Harte Klauen und Widerstandsfähigkeit gegen Krankheiten. Die große genetische Variabilität (alle Wollfarben und sowohl behornte als auch hornlose Tiere) ist erwünscht und soll erhalten werden.
Strenge Reinzucht und Inzuchtvermeidung durch gezielte Anpaarung und Haltung einer möglichst großen Anzahl männlicher Tiere.

 

Fütterung

Die Rasse ist sehr gut geeignet zur Beweidung und Offenhaltung von extensivem Grünland wie Hanglagen und Alpflächen. Gehölz und teilweise sogar ältere Brennesseln werden zuverlässig verbissen.Um diese guten Eigenschaften, die kleine Statur und die Genügsamkeit beizubehalten, sollte auf den Einsatz von Kraftfutter weitestgehend verzichtet werden. Im Winter ist genügend Heu das geeignetste Futtermittel.

 

Besonderheiten

Körperbau: Die Tiere sind relativ klein und leicht. Sie besitzen einen natürlichen, wildtierartigen Körperbau. Dadurch gibt es kaum Geburtsprobleme und sie zeichnen sich durch gute Berggängigkeit aus. Dieser schlanke Körperbau ergibt einen geringeren Fleischansatz, das feinfasrige Fleisch hat aber eine hervorragende Qualität. Das geringe Gewicht erleichtert auch die Pflege (Klauenschnitt und Schur).

Körpergewicht: Auen: 35 bis 45 kg / Böcke: 50 bis 60 kg

Körpergröße: Auen: 55 bis 70 cm / Böcke: 60 bis 75 cm

Die Schafe wurden früher über den Sommer auf den Hochalpen gehalten und im Winter unter einfachsten Bedingungen mit Magerheu gefüttert. Dadurch entwickelte sich das Montafoner Steinschaf zu einem anspruchslosen, widerstandsfähigen und robusten Tier. Es ist ein lebhaftes, zutrauliches Schaf mit guter Muttereigenschaft. Hohe Fruchtbarkeit, leichte Ablammung und problemlose Aufzucht sind ebenfalls Stärken des Montafoner Steinschafes. Erwähnenswert sind die hohe Wirtschaftlichkeit aufgrund der guten Futterverwertung wie auch die Widerstandsfähigkeit gegen Krankheiten.

 

Offenhaltung

Die Tiere eignen sich bestens für die Offenhaltung extensiver Flächen, die vom Zuwachsen bedroht sind. Gehölze und Sträucher werden zuverlässig verbissen und reduziert. Bei der Zucht dieser Tiere wird besonders angestrebt, diese robuste und langlebige Schafrasse in ihrem ursprünglichen Typ zu erhalten. Es kommen sowohl reinfarbig weiße, schwarze, braune, beige und auch gefleckte Tiere, behornt und unbehornt, vor. Die auffallend glänzende Mischwolle zeichnet sich durch eine hervorragende Qualität aus. Die eher kleinrahmigen Tiere mit ausgezeichneter feinfasriger Fleischqualität eignen sich bestens für die Direktvermarktung und zur Selbstversorgung.

 

Ist-Situation

Das Montafoner Steinschaf gilt nach wie vor als vom Aussterben bedrohte Schafrasse, die aufgrund ihrer Geschichte sehr erhaltenswert ist. Es gibt leider immer noch viel zuwenige Züchter, die diese besonderen Tiere halten und erhalten. Die anfallende hochwertige Wolle kann aktuell nicht verarbeitet und verwertet werden und wird großteils als Abfall entsorgt. Gleichzeitig gibt es das immer größer werdende Problem der Offenhaltung extensiver Flächen, wie z.B. Maisäßflächen oder steile Hänge, die nicht mehr bewirtschaftet werden und somit verwachsen. Vielfach fehlt auch das Bewusstsein bei der Bevölkerung, was so eine eigenständige Tierrasse für eine Talschaft an Wert bedeuten kann.

 

Ziel

Es sollte erreicht werden, dass in Verbindung mit dem Stand Montafon und allen verantwortlichen Personen aus Politik, Landwirtschaft, Wirtschaft und Tourismus der Talschaft Montafon ein Weg gefunden wird, dieser besonderen heimischen Schafrasse ein Überleben, speziell im Heimattal Montafon, zu sichern. Es wird eine nachhaltige Verbreitung des Montafoner Steinschafes angestrebt.
Dazu werden Schafhalter und Züchter gesucht, die dieses Projekt mittragen und gestalten wollen. In weiterer Folge ist beabsichtigt, aus der anfallenden Wolle sowie dem ausgezeichneten Fleisch, heimische Produkte für den Verkauf in der Talschaft zu entwickeln und eine Vermarktung zu ermöglichen.

 

Montafoner Steinschaf – die Arbeitsgruppe informiert!

Montafoner Steinschaf – die Arbeitsgruppe informiert!

Vor gut zwei Jahren wurde von Martin Mathies und Peter Kasper aus St. Gallenkirch, die Initiative zum Erhalt und Fortbestand des Montafoner Steinschafs ins Leben gerufen. In kürzester Zeit haben diese Bemühungen und Unternehmungen der beiden Schafzüchter großen Anklang und breite Unterstützung gefunden. So wird das Projekt mittlerweile vom Stand Montafon, dem Montafon Tourismus, Öko-Land Vorarlberg und vielen privaten Förderern anerkannt und unterstützt.

Dem „Verein Bewusstmontafon“ ist das Projekt als eigene Arbeitsgruppe angesiedelt und kann über diese Vereinsplattform agieren.

Aufgrund der vielen Werbeaktivitäten seit Projektbeginn rund um das Montafoner Steinschaf,  ist es uns gelungen, den Züchterstand und Schafbestand hier im Montafon mehr als zu verdoppeln. Mittlerweile sind in fast allen Montafoner Gemeinden wieder Züchter und Schafe anzutreffen. Wir erfahren von allen Seiten ein reges Interesse an unserem Projekt und unseren Bemühungen, diesem alten Kulturgut dem „Montafoner Steinschaf“ ein Überleben und eine Zukunft in seinem Ursprungstal zu ermöglichen.

Regionalität und Heimatverbundenheit treten unserer Erfahrung nach immer mehr in den Vordergrund. In Zeiten von Massentierhaltung, Hochleistungstieren und Tierfabriken, gewinnen Unternehmungen,  die vom Aussterben bedrohten Haustierrassen, einen berechtigten Fortbestand ermöglichen können, immer mehr an Bedeutung. Es wäre ein sehr großer Verlust, wenn eine so wertvolle und nachweislich eigenständige Haustierrasse wie das Montafoner Steinschaf unwiederbringlich verloren gehen würde.

Das Montafoner Steinschaf weißt eine sehr hohe genetische Distanz zu allen anderen bekannten Steinschafrassen auf und gilt daher als besonders erhaltenswert. Die Schafe sind sehr widerstandsfähig gegenüber Krankheiten und Witterung, sehr genügsam und zutraulich, mit besonders guten Muttereigenschaften,  die eine problemlose Aufzucht der Lämmer ermöglicht.

Durch ihren kleineren und leichteren Körperbau eignen sich die Tiere hervorragend zur Beweidung und Offenhaltung von Alp- und Steilflächen. Sie sind eine optimale Alternative für Landwirte als auch für Hobby- und Neuzüchter. Das Fleisch der Tiere weißt eine hervorragende, feinfaserige Qualität auf und ist unter Kennern sehr gefragt. Aus der auffallend glänzenden Mischwolle die es in den verschiedensten Farbtönen gibt, können unterschiedlichste Qualitätsprodukte hergestellt werden.

Es werden auch weiterhin Landwirte, Hobbyzüchter und Neueinsteiger gesucht, die sich an der Erhaltung des Montafoner Steinschafs beteiligen und einbringen wollen.

 

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